Yoga der Meditation - Sammlung, Freude und Einsicht

 

                  Yoga-Matinée: Geleitete Meditation und Philosophie

 

Datum: Samstag, 6.April 2019,   9.15 – 11.30 Uhr

Ort:  Lindenrain 1a , 3012 Bern

Teilnehmer: Für Neu-Einsteiger und Erfahrene, auch Nicht-Kursteilnehmer willkommen

Kosten: Fr. 20.--

Leitung und Anmeldung: Robert Jordi, Brunnmattstrasse 71, 3007 Bern

Tel: 031 302 87 37  e-mail: rjordi@vtxmail.ch

 

Meditationsübungen

Achtsamkeit üben, heisst zu lernen, zu ergründen und zu verstehen „was wirklich ist“.

Das Wesen der ursprünglichen Spannung ist das Nichterkennen. Es ist ein egozentri­sches Bewusstsein. Durch kontinuierliches Ueben werden die Spannungen nachlassen, die unsere Weltanschauung färben. Wenn diese leidvolle Spannungen aufhören, wird es möglich, dass die Beobachtung rein und kristallklar wird. Dies befähigt, die Dinge in ihrer existenziellen Wahrheit zu sehen.

 

Yoga ist keine Ideologie. Erforderlich ist Interesse zur Erforschung der menschlichen Beziehung und der objektiven Welt. Dieses Interesse ist die Grundlage.

Die Einzelheiten der Uebungen werden anschliessend in der Yoga-Philosophiestunde erläutert und diskutiert.

 

Philosophie: Der klassische Leitfaden (Sutren) des Patanjali

Zweiter Teil: Ueber die Uebung  /  Der Weg gegen die Strömung (Sutren 10-17)

Die leidvollen Wirkungen des karma (Sutren 2.12-2.14).

 

Patanjali weist darauf hin, dass etwas von unseren Gedanken und Taten die geschehen sind, Konsequenzen haben können, auch wenn diese Konsequenzen nicht sichtbar sind.

 

Sutra 2.14

Die Erfahrungen von Freude oder Bedrängnis sind die Früchte von Handlungen, die von guter oder böser Absicht motiviert sind.                       P.Y. Deshpande      oder:                                                                                                 

Sie (Geburt, Lebensdauer und Erfahrung) haben Freude und Leid als ihre Früchte, infolge von Tugend und Untugend.                                                                                                                                                                      Dr. Jayadev Yogendra                                                                                                  

 

Te-Hlada-Paritapa-Phalah-Punya-Apunya-Hetutvat

Te:               Ihre
Hlada:          Freude, „Erquickung, Abkühlung“
Paritapa:     Leid, „grosse Hitze“
Phalah:        Früchte
Punya:         Tugend
Apunya:      Nicht-Tugend
Hetutvat:     als ihre Ursache habend (punya or apunya)

 

Liebende Zuwendung

„Die Vier unermesslichen Geisteshaltungen“

 

Alle Wesen

Mögen sie von Feindschaft frei sein.

Mögen sie von übler Behandlung frei sein.

Mögen sie von Sorgen frei sein.

Mögen sie ihr eigenes Glück beschützen.

Mitgefühl

Alle Wesen

Mögen sie von Leiden frei sein.

Mitfreude

Alle Wesen

Mögen sie von ihrem erlangten Glück nicht getrennt sein.

Gelassenheit

Alle Wesen

Sind die Besitzer ihrer Taten (kamma).

Erben ihrer Taten.

Geboren aus ihren Taten.

Welche Taten sie auch immer ausüben

für Gut oder Böse

sie werden die Erben davon sein.

                                                        Uebersetzung aus dem Pali

 

 

 

Karma und vier andere Gesetze

 

„Gibt es eine Maxime, die die Grundlage für alle Handlungen im Laufe des Lebens sein sollte? Sicherlich ist es die Maxime des Mitgefühls: Tu anderen nicht das an, von dem du nicht möchtest, dass man es dir zufügt.“

                                                                                                       Konfuzius

 

Gemäss der Lehre des Buddha gibt es im Kosmos Fünf Gesetze (fünffache Unvermeidlichkeiten), die in physischen und mentalen Bereichen funktionieren. Das Gesetz des karmas ist nur eine ursächliche Konditionalität, die mit vier anderen Faktoren zusammenspielt.

  

Die Fünf Gesetze (niyamas):

1. Physisches, anorganische Gesetz (utu niyama): Saisonale Veränderungen und Phänomene, die uns alle beeinflussen; Winde und Regen. Zum Beispiel sind Naturkatastrophen (Bergsturz, Ueberschwemmung usw) oder die Ursache eines Tsunamis, nicht karma.

 

2. Physisches organisches Gesetz (bija niyama); Das Gesetz der Samen oder Keime; Früchte, Pflanzen, Blumen, z.B. der von den Bienen herstammende, zuckersüsse Geschmack des Honigs. Dazu gehört viel­leicht die wissenschaftliche Theorie der Genen und Zellen, und die physische Aehn­lichkeit von Zwillingen.

 

3. Mentales Gesetz (citta niyama):  citta bedeutet „Geist“ und „Herz“. Das Gesetz des Geistes oder der Psyche, dazu gehören auch die vrttis (seelisch-geistige Vorgänge). Der wichtigste Faktor ist der Zustand des Geistes.

 

In den buddhistischen Lehren wird der Begriff der skandhas (Anhäufungen) erläutert. Der Geist ist hier eine Art von Geist, und Gedanken sind Objekte des Geistes, in gleicher Weise ist z.B. das Ohr ein Sinnesorgan und die Töne sein Objekt. Dies führt „gesetzmässig“ zum Hörbewusstsein – Kontakt – Gefühl.

 

4. Gesetz der Natur der Existenz (dhamma niyama);  Jegliches Phänomen könnte mit  den fünf Vorgängen oder Gesetzen erläutert werden. Zum Bei­spiel betrifft das physikalische Gesetz der Gravitation auch den ersten der fünf Fakto­ren. Dhamma niyama funktioniert immer, und zwar mit oder ohne der Existenz des Buddhas. Beispiele: Die unbeständige Natur der Dinge, das Unzu­längliche, das Insubstantielle, das abhängige Entstehen, die Ursache und die Bedingungen.

 

5. Gesetz des karma, Moralisch-ethische Ursache (kamma niyama). Unsere moti­vierten Tätigkeiten erzeugen eine Energie, die Auswirkungen hervorzubringen ver­mag: Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Tätigkeiten erzeugen dem ent­sprechend gute und schlechte Ergebnisse. Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein kosmisches Gerichtsurteil und auch nicht um Belohnung und Schuldzuweisung.

 

Karma ist also nur ein Gesetz im mächtigen Universums. Es funktioniert in seinem eigenen Bereich, ohne Intervention einer äusseren, unabhängigen Agentur. Zum Beispiel verordnet niemand, dass Feuer brennt, dass Wasser seinen eigenen Weg sucht, usw. Denn dies sind intrinsische Eigenschaften. Karma betrifft unsere eigene, beabsichtigte Tätigkeit. Und karma ist sowohl das weiterleitende als auch das ausglei­chende, gerechte Prinzip.

Die Theorie des karma gibt moralischen Mut, Selbstständigkeit, Trost und Selbstver­trauen, da es individuelle Verantwortung vermittelt.

 

Bemerkung: Momentan, gegebene Bedingungen sind das Ergebnis zahlloser Faktoren, die stän­dig in Bewegung sind. Die Dinge, wie sie sind, können nicht auf einer einzigen Ursa­che beruhen.

 

Karma ist schwierig zu erklären: Nur manche Arahats (Verwirklichung des nibbana) und Buddha können dies erläutern. Der Buddha sagt, dass der Bereich des karmas undenkbar ist.

                                                                                                                          25. Mai 2019